Wenn man nach 2 Monaten endlich mit einer über 80-jährigen Patientin sprechen kann. Die nach einer Not-OP (Ulcusperforation) wochenlang auf der ICU war, sediert und intubiert. O-Ton des OA damals nach Eröffnung des Bauchraumes (voll mit Stuhl und Pus): “Na da haben wir aber eine ordentliche Baustelle!”
Und dann sitzt sie keck im Bett und sagt: “Ja, da wär ich fast nach unten gefahren!”
Anonymous asked: Was hältst du von diesen ganzen Internetforen wo sich meist Medizinlaien Diagnosen anhand von Google und Wikipedia zusammenschustern? Ich finds schlimm. Selbst schonmal Erfahrungen mit Dr. Google oder Besserwisser-Patienten gemacht?
Mehr wissen und sich informieren halte ich grundsätzlich natürlich für eine gute Idee.
Schwierig wird es, wenn sich PatientInnen davon verunsichern lassen, weil sie eben keine MedizinerInnen sind, nicht über das notwendige Hintergrundwissen verfügen, die gelesenen Informationen manchmal nicht im Zusammenhang sehen. Eine schlimme Diagnose lesen, und diese dann nicht mehr aus dem Kopf bringen.
Mühsam wird es, wenn sich gewisse Personen nicht nur mal einfach so informieren, sondern dann zu Besserwissern werden. Das kostet Zeit und Nerven.
Ich mag mündige PatientInnen. Die sich informieren, nachfragen und interessiert sind. Aber man studiert nicht 6 Jahre Medizin, wenn es so einfach wäre sich die Diagnosen dann über das Internet zusammen zu schustern.
Letztens war der Installateur im Haus. Während er arbeitete, habe ich ihm zugesehen und etwas nachgefragt. Aber ich käme nie auf die Idee, ihm dazwischen zu reden, im Sinne von ihm seine Arbeit erklären und herumzugschafteln. Ich habe keine Installateurlehre gemacht.
Für die nicht-österreichischen MitleserInnen: http://www.ostarrichi.org/wort-2258-at-gschaftln.html
An manchen Tagen könnte man ungefragt 80 Prozent der PatientInnen ausschließlich mit Psychopax versorgen.
Warum kommen manche Personen ins Krankenhaus? In die Ambulanz? Ohne Überweisung? Mit Wehwehchen? Freitags, kurz nachdem der Hausarzt die Ordination zusperrt? Obwohl es einen Ärztefunkdienst gibt? Weil man seit 2 Wochen (= nicht akut) nicht mehr groß auf der Toilette war? Wofür gibt es niedergelassene ÄrztInnen?
Und dann noch mit der Rettung nachhause kutschiert werden wollen.
Arrrgh.
Mitgehörtes Gespräch in der Bibliothek:
“Das sind sicher ur gute Chirurgen, aber was mir fehlt ist das Ganzheitliche!”
:D
Die Frühwarnsymptome einer Depression ähneln den Symptomen, welche sich kurz vor Studienabschluss manifestieren:
- Geräuschempfindlichkeit
- Unwohlsein
- Unruhe
- Reizbarkeit
- Schlafstörungen
- Vernachlässigung der äußeren Erscheinung
- …
Ich nehme eine Patientin auf, Frau Logorrhoe, sie ist eine von der ganz schlimmen Sorte und mir deswegen schon dezent unsympathisch. Aber sie setzt noch einen drauf.
“Haben Sie eine Allergie?”
“Ja, gegen Türken!”
“Herr P. ist gerade gestorben, kannst du bitte ein EKG schreiben?”
“Warum?”
“Um zu schauen ob er auch wirklich tot ist.”
Hätte ich sonst noch mal draufhauen sollen?
Warum es mich stört wenn ich von PatientInnen “Schwester” genannt werde:
Weil meine männlichen Kollegen nie Pfleger genannt werden. Wir sind genau gleich angezogen, weißer Mantel, Stethoskop. Männer sind Ärzte, Frauen können ja nur im Pflegebereich arbeiten. Als mein Freund vor Jahren Zivildiener im Krankenhaus war, wurde er “Herr Doktor” genannt, die junge Ärztin “Schwester”.
Letztes Jahr, als ich in Berlin eine Famulatur machte, hörte der OA eine alte Frau mich “Schwester” nennen, worauf er zu der Patientin meinte: “Das ist eine Kollegin. Wissen Sie, wir sind im 21. Jahrhundert, Frauen dürfen jetzt auch Medizin studieren!”
Ob mich meine Eltern köpfen, wenn ich jetzt noch Veterinärmedizin anhänge?
Die OÄ diskutieren mit dem Primar ob man bei einer Patientin noch zuwarten, oder sie gleich auflegen soll.
Prim.: “Da tun wir jetzt nicht lange herumdoktern!”